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Nachbetrachtung des Auswärts-Derbys

Nachbetrachtung des Auswärts-Derbys

Nach dem erkämpften Punkt oder vergebenen zwei Punkten – wie auch immer man es sehen möchte – beim ungeliebten Gegner ist es nun Zeit, Bilanz zu ziehen aus dem nun schon zweiten etwas anderen Derby in Folge.

Wie beim Hinspiel auch – wir berichteten im letzten SKE – mussten wir mit Maßnahmen leben, von denen wir gehofft hatten, dass sie aufgrund der erwiesenen Kontraproduktivität nicht erneut ergriffen werden würden. Wie wir alle wissen, zerschlug sich diese Hoffnung am 3. Februar, als verlautbart wurde, dass die Polizeidirektion Hannover mit ausdrücklicher Billigung des Landesinnenministeriums eine 40-prozentige Reduzierung des Gästefankontigents verfügte.

Die Blau-Gelbe Hilfe (BGH) organisierte wieder eine Demo in der Stadt des gastgebenden Vereins, um den handelnden Politikern – allen voran Landesinnenministerin Behrens – klarzumachen, dass unsere Fankultur unverhandelbar ist und bleibt. Beeindruckende 500 Eintracht-Fans folgten mitten in der Woche am Nachmittag dem Aufruf der BGH und demonstrierten lautstark und eindrucksvoll gegen die bekannten Maßnahmen. Darauf wurden Printmedien und auch das Fernsehen aufmerksam. Diese berichteten neutral bis wohlwollend über unser Anliegen und unsere Demo, was unserem Image als Eintracht-Fans und auch dem unseres BTSV zweifellos förderlich war. Wir bedanken uns bei jedem, der an der Demo teilgenommen hat!

Zwischendurch wurde der Schoduvel dazu genutzt, Ministerin Behrens (die es sich nicht nehmen ließ, auf einem Wagen mitzufahren und dem dankbaren Volk spendabel Kamellen zu kredenzen) erneut lautstark, mit Plakaten von der Demo und Behrensmasken mit Clownsnase klarzumachen, was von den getroffenen Maßnahmen zu halten ist. Die anwesenden Ordnungshüter setzten daraufhin ca. 35 Personen für eine Stunde fest, darunter auch Minderjährige. Nach Aussage der Polizei werde wegen Beleidigung ermittelt. Wir finden, das ist eine sehr dünnhäutige Reaktion darauf, dass Menschen von dem legitimen Grundrecht, ihre Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern, Gebrauch machen. Politiker als Personen des öffentlichen Interesses sollten – gerade im Karneval, wo es üblich ist, die Obrigkeit auf die Schippe zu nehmen – über den Dingen stehen.

Nun kam der Derby-Tag, und erfreulicherweise folgte ein Großteil dem Aufruf der Ultrà-Szene – BTSV 1895, das Derby nicht im Stadion des Gastgebers zu verfolgen, sondern das so wichtige Spiel woanders zu schauen. Das war für keinen Eintracht-Fan eine leichte Entscheidung, würde man doch so gern seine Mannschaft mit zum Sieg tragen. Dennoch: Damit haben wir ein klares Signal dahingehend gesendet, dass die Reduzierung von Zuschauerkontingenten niemals akzeptiert werden wird und dies einen Frontalangriff auf unsere unverhandelbare Fankultur darstellt!

Die Fanszene der Heimmannschaft trug den Protest wie angekündigt ins Stadion und es kam neben dem Einsatz von Laserpointern und Tennisbällen auch dazu, dass pyrotechnische Gegenstände auf das Spielfeld geworfen wurden. Dies führte zu minutenlangen Spielunterbrechungen. Als Reaktion darauf positionierte die Polizei martialisch Wasserwerfer im Stadion und nahm die Situation sicher gerne zum Anlass, sich so präsentieren zu können.

Am Montag darauf veröffentlichte das Landesinnenministerium auf dessen Homepage ein Statement, in dem es u.a. heißt:
„Das jüngste Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ist leider wieder von einer gewaltbereiten Minderheit für Übergriffe genutzt worden. Für eine kleine Anhängerschaft von Hannover 96 ging es in erster Linie nicht um ein sportliches Ereignis.“ (…) „Der exzessive Einsatz von Pyrotechnik und die damit verbundene Gefährdung unbeteiligter Zuschauerinnen und Zuschauer, aber auch der Mannschaften, haben erneut deutlich gemacht, dass es diesen Randalierern nicht darum geht, ihre Mannschaft durch friedlichen Support zu unterstützen. Vielmehr geht es für diese Gruppe vor allem darum, Gewalt und Randale zu verüben. Das hat mit Sportsgeist nichts zu tun.“ (…)

Diese Reaktion war zu erwarten. Weiter heißt es jedoch:

„Die Ereignisse am vergangenen Sonntag aber zeigen: Derbys zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig sind ohne massiven Polizeieinsatz nicht möglich. Bei den organisierten Fanszenen sind bislang leider keine Selbstreflektion und Abkehr von Gewalt und Randale zu erkennen.“

Wir fragen uns, woher Ministerin Behrens wissen will, dass sich unsere Fanszene nicht reflektiert hat. Schließlich war es ihre Entscheidung, nicht mit Fanvertretern zu sprechen. Gleichzeitig gibt Frau Behrens zu, dass die getroffenen Maßnahmen nichts gebracht haben.

An dieser Stellungnahme des Ministeriums lässt sich erkennen, dass es erheblichen Klärungsbedarf gibt, denn offensichtlich zieht man die falschen Schlüsse aus den Ereignissen. Die BGH wird sich weiterhin für einen Dialog zwischen Landesinnenministerium, den beteiligten Vereinen und Fanvertretern einsetzen. Die letzten beiden Derbys haben gezeigt, dass es dazu keine Alternative gibt. Wir fordern Daniela Behrens auf, über ihren Schatten zu springen und das Gespräch zu suchen, um im Konsens tragfähige Lösungen für die kommenden Derbys zu finden.

Du hast Anregungen oder Diskussionsbedarf? Wir stehen für Frage aller Art an jedem Spieltag am BGH-Wagen bis zu 30 Minuten vor Spielbeginn zur Verfügung. Zwischen den Spieltag erreicht Ihr uns über alle möglichen Kanäle – am besten aber über info@blau-gelbe-hilfe.de.